Probleme

Die Modeindustrie ist eine sehr komplexe Industrie mit großen Auswirkungen auf unsere Umwelt. Sie beschäftigt weltweit sehr viele Menschen und es existieren nach wie vor große soziale Ungleichheiten. Die Größe der Branche kann jedoch auch als Chance gesehen werden die Auswirkungen auf den Planeten signifikant zu verringern und die Arbeitsplätze sehr vieler Menschen besser zu gestalten. Hier folgt ein kurzer Überblick über die Probleme der Branche. Die Erklärung einiger Begriffe gibt es auf der Seite Glossar.

Umwelt

Wasser- und Luftverschmutzung

Es gibt in vielen Ländern keine vorgeschriebenen Abluft- und Abwasser-Richtlinien, also wird beides meist ungefiltert in die Umwelt entlassen. Abwasser wird oft voll mit Chemikalien-Rückständen und teilweise sogar Rückständen von Schwermetallen in die Flüsse geleitet. Diese Flüsse werden dadurch zu Todesfallen, denen man nicht zu nahe kommen darf. Viele Gemeinden im Umkreis der Fabriken sind jedoch abhängig von diesen Flüssen, sie spenden unter anderem das Wasser für die Felder in der Umgebung. Das hat, abgesehen von der Zerstörung der Umwelt, fatale Folgen für die Gesundheit der Menschen der Region. Oft treten schlimme Krankheiten, die durch die Chemikalienrückstände ausgelöst wurden, im Umfeld der Fabriken und auch bei den Arbeiter*innen der Fabriken selbst auf, während die ärztliche Versorgung oft sehr schlecht ist. Die Fabriken weisen meist jegliche Form der Anschuldigung zurück, und verweigern somit auch die Bezahlung ärztlicher Maßnahmen für eigene Mitarbeiter*innen. Trotzdem kommt es meist nicht zu Protestaktionen, da die Menschen in der Umgebung der Fabriken auf diese angewiesen sind, denn sie sind oft einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region.

Quellen

Tiere

Tierquälerei

In der Fast-Fashion Industrie geht es um Quantität und nicht um Qualität. Darunter leiden auch die Tiere, die für diese Branche gezüchtet werden. Bei der Leder- und Pelzproduktion werden die Tiere teilweise unter katastrophalen Bedingungen gehalten, transportiert und geschlachtet. Gänse und Angora-Kaninchen werden für ihre Fasern lebend und ohne Betäubung gerupft; Schafe und Ziegen werden komplett in Chemikalienbäder getunkt bevor sie geschoren werden, um die Wolle zu reinigen; was Augen, Nase und Maul der Tiere verätzt. Eine sehr häufig anzutreffende Methode ist Mulesing: Schafen wird ohne Betäubung eine Schicht Haut um das After entfernt, um sie vor Fliegenbefall zu schützen.
Diese Bedingungen herrschen nicht in jedem Betrieb, aber vieles davon ist gängige Praxis.

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Menschen

Zwangs- und Kinderarbeit

2015 gaben in einer Studie der Ethical Trading Initiative 71 Prozent der befragten Textilunternehmen an, dass sie moderne Sklaverei in ihren Lieferketten für wahrscheinlich halten.
2020 wurde bekannt, dass in China, dem wichtigsten Baumwoll-Anbauland der Welt, hunderttausende Uiguren zur Arbeit gezwungen werden. Es gibt jedoch nicht nur in China Zwangsarbeit, in vielen anderen Ländern wie Usbekistan und Turkmenistan – ebenfalls wichtige Baumwollproduzenten – ist Zwangsarbeit ebenfalls an der Tagesordnung. Auch Kinderarbeit ist nach wie vor ein großes Problem.
Dies sind jedoch nur wenige Beispiele. Andere Arten von Zwangsarbeit kommen beispielsweise durch dubiose Arbeitsverträge zustande, die Arbeiter*innen z.B. unter Androhung von Gewalt unterschreiben mussten und die ihnen keine Möglichkeit lassen aus diesem Vertrag auszutreten.

Quellen

Schlechte Bezahlung

Es gibt zwar in immer mehr Ländern einen gesetzlichen Mindestlohn, aber dieser reicht oft immer noch nicht zum Leben. In Indien zum Beispiel betrug im Jahr 2018 der Mindestlohn 94 Euro, während der Existenzlohn bei 297 Euro lag.

Es gibt auch nach wie vor sehr viel Schwarzarbeit in der Branche. Einige Näher*innen, die mitten in England für Ultra-Fast-Fashion Konzerne nähen, verdienen 3 Pfund pro Stunde, während der Mindestlohn in England bei ca. 7 Pfund liegt (siehe unten). Ähnlich schlechte Verhältnisse gibt es überall auf der Welt.

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Arbeitsschutz

Im April 2013 stürzte das Rana Plaza Gebäude, eine Näh-Fabrik in Bangladesch ein. Bei diesem Einsturz kamen 1134 Menschen ums Leben und über 2400 wurde teilweise schwer verletzt. Dort wurde für viele bekannte Marken der ganzen Welt genäht. Rana Plaza war der schlimmste Fabrikunfall in der Geschichte der Textilindustrie. Diese 1134 Näher*innen starben, weil es an den richtigen Sicherheitsvorkehrungen mangelte.
8 Jahre später hat sich die Situation für viele Textilarbeiter*innen verbessert, jedoch gibt es nach wie vor großen Handlungsbedarf. Es passieren immer noch monatlich Unfälle mit Todesopfern in Fabriken, fast immer aufgrund mangelnder Schutzmaßnahmen.

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Gewerkschaften

Nach einem Bericht der IndustriALL Global Union (2019), wurden Ende 2018 und Anfang 2019 mehr als 11.600 Textilarbeiter*innen festgenommen, gekündigt oder gezwungen von ihrem Arbeitsvertrag zurückzutreten, da sie an Gewerkschaftsstreiks teilgenommen haben. Die Polizei setzte Wasserwerfer, Gummigeschosse und Tränengas gegen die Demonstrierenden ein.

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Ultra Fast Fashion Händler sind mit der Produktion teilweise wieder nach Europa gekommen, da so die langen Lieferzeiten von Asien nach Europa wegfallen und die Kollektionen noch schneller verkauft werden können. Die Näher*innen haben fast nie einen Arbeitsvertrag und bekommen extrem wenig Geld für ihre Arbeit – ohne das Recht auf Gewerkschaften, geregelte Arbeitszeiten oder die Sicherheit auch am nächsten Tag noch angestellt zu sein. Der Lohn beträgt selbst in England teilweise ca. 3 Pfund die Stunde, was nicht einmal die Hälfte des britischen Mindestlohns ist. Die Arbeitszeiten sind meist 10-14 Stunden pro Tag, 6 Tage die Woche. Durch eine undurchsichtige Kette von Unter-Vertragspartnern ist es extrem schwierig herauszufinden, in welchen Fabriken die Kleidungsstücke genäht werden. Die Mutterkonzerne schieben so jegliche Verantwortung von sich.

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Überkonsum

Die Psychologie hinter Fast Fashion:

  • Die sogenannte „Kaufreue“ wird durch billige Preise vermieden – beim Bereuen einer zu teuren Kaufentscheidung gibt man das Kleidungsstück zurück -> wird durch niedrige Preise eliminiert. Der Preis kann nicht bereut werden, da er so günstig war. Und wenn das Kleidungsstück doch nicht so ganz gefällt wird es meist trotzdem behalten, dennoch nicht getragen und nach einiger Zeit weggeworfen, da es so günstig war, dass es sich nicht lohnt es zum Laden zurückzubringen
  • Das Belohnungssystem wird getriggert: wenn der Preis im Vergleich zur Gewohnheit oder zu Alternativen auf dem Markt besonders günstig ist, wird das als positiv bewertet: man „bekommt“ etwas und „spart Geld“, das man sonst ausgegeben hätte. Diese Belohnung führt zur Ausschüttung von Dopamin, einem Glückshormon. Aber: Meistens regt das Geld, das man durch den günstigen Einkauf „gespart“ hat dazu an, sich noch mehr zu kaufen, obwohl man das eigentlich gar nicht vor hatte. Am Ende wurde so oft mehr Geld ausgegeben als man es üblicherweise getan hätte
  • Limitierte Angebote steigern den Kaufdrang: Entscheidungen, die man unter Zeitdruck fällen muss, sind oft emotional statt rational → man kauft mehr als man eigentlich wollte
  • Der direkte Einkauf über soziale Netzwerke wie Instagram verhindert das Nachdenken, das dazu führen könnte nicht zu kaufen. Man sieht etwas an einem/einer Influencer:in und kann es dank Verlinkungen oft direkt kaufen – zwischen erstmaligem Sehen des Produktes und dem Kauf vergehen oft nur wenige Sekunden
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Überproduktion

Laut Greenpeace wurden im Jahr 2014 erstmals mehr als 100 Milliarden Kleidungsstücke produziert. Von 2000 bis 2014 hat sich die weltweite Textilproduktion somit mehr als verdoppelt. Wir kaufen heute 60% mehr Kleidung als 2002, behalten diese jedoch nur noch halb so lange. In Deutschland kauft eine Person durchschnittlich 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr.

Fast-Fashion-Ketten bringen bis zu 24 Kollektionen pro Jahr auf den Markt. Die durchschnittliche Dauer vom Design eines Kleidungsstückes bis zum Handel beträgt ungefähr 5 Wochen. Ultra-Fast-Fashion-Ketten bringen wöchentlich bis zu 4500 neue Teile auf den Markt. Die durchschnittliche Produktionszeit vom Design bis zum Handel beträgt gerade einmal 2 bis maximal 4 Wochen.

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Kopieren kleiner Labels

Wenn Fast-Fashion-Giganten die Entwürfe kleiner, unabhängiger Designerlabels kopieren gibt es für deren Kund*innen immer weniger Gründe bei den Designer*innen einzukaufen statt bei den Fast-Fashion-Ketten, da die Preise dort sehr viel günstiger sind. Die kleineren Labels gehen bankrott und die Vielfalt auf dem Bekleidungsmarkt geht immer mehr zurück.